Regenerativ
Hilft PRP bei Haarausfall? Ablauf, Sitzungen und was Studien zeigen
Von Dr. med. Bugrahan Bacara · 3 Min. Lesezeit
Bei erblich bedingtem Haarausfall im frühen Stadium zeigen Studien teilweise eine Zunahme der Haardichte. Die Qualität dieser Studien ist aber niedrig, und die Verfahren sind nicht einheitlich. Die europäische Leitlinie spricht deshalb weder eine Empfehlung dafür noch dagegen aus. PRP ist eher eine Ergänzung zu belegten Therapien als ein Ersatz, und es braucht mehrere Sitzungen.
Wenn das Haar dünner wird
Mehr Haare in der Bürste, ein breiterer Scheitel, Geheimratsecken. Haarausfall belastet viele mehr, als sie zugeben. Und die Suche nach Hilfe führt schnell zu großen Versprechen.
Wir wollen dir hier ehrlich sagen, was eine Behandlung mit Eigenblut kann und was nicht.
Was PRP ist
PRP steht für plättchenreiches Plasma. Es wird aus deinem eigenen Blut gewonnen. Die Blutplättchen darin enthalten Wachstumsfaktoren, die der Körper sonst zum Beispiel bei der Wundheilung einsetzt. Die Idee: In der Kopfhaut sollen sie die Haarwurzeln anregen.
Weil es dein eigenes Blut ist, sind allergische Reaktionen auf das Material selbst praktisch ausgeschlossen. Das heißt aber nicht, dass die Behandlung ohne Nebenwirkungen ist.
Für wen es infrage kommt
PRP wird vor allem bei erblich bedingtem Haarausfall eingesetzt, bei Männern wie bei Frauen. Wichtig ist das Stadium: Die Haarwurzeln müssen noch vorhanden sein. Wo schon seit Jahren eine kahle Stelle ist, kann auch PRP nichts mehr anregen.
Bevor wir über PRP sprechen, sollte klar sein, woher der Haarausfall kommt. Hinter dünner werdendem Haar können auch eine Schilddrüsenstörung, Eisenmangel, Medikamente, Stress oder eine Autoimmunerkrankung stecken. Dann gehört zuerst die Ursache behandelt. Ein nachgewiesener Eisenmangel lässt sich zum Beispiel gezielt ausgleichen. Wann dafür eine Infusion infrage kommt, steht in Vitamininfusion: Wann ist sie sinnvoll?.
Wie eine Sitzung abläuft
- Blutabnahme. Wie beim Hausarzt wird etwas Blut aus der Armvene entnommen.
- Aufbereitung. Das Blut kommt in eine Zentrifuge. Dabei trennt sich das plättchenreiche Plasma von den übrigen Bestandteilen.
- Injektion. Das Plasma wird mit einer sehr feinen Nadel an vielen Punkten in die Kopfhaut gespritzt, dort, wo das Haar dünner wird.
Eine Sitzung dauert meist etwa eine halbe Stunde bis eine Dreiviertelstunde. Die Kopfhaut ist an manchen Stellen empfindlich. Die meisten finden es aber gut auszuhalten.
Wie viele Sitzungen und in welchem Abstand
Ein einheitliches Schema gibt es nicht. Auch das sagt die Leitlinie ausdrücklich. Üblich ist in der Praxis eine Serie von drei bis vier Sitzungen im Abstand von etwa vier bis sechs Wochen. Danach wird meist alle paar Monate aufgefrischt, wenn die Behandlung anspricht.
Wann man etwas sieht
Haare wachsen langsam. Erste Veränderungen zeigen sich, wenn überhaupt, meist nach einigen Monaten. Eine ehrliche Beurteilung ist oft erst nach etwa einem halben Jahr möglich. Dafür machen wir Fotos zur Dokumentation, nur für deine Akte.
Was die Studien sagen
Hier wollen wir besonders ehrlich sein:
- Die europäische Leitlinie zum erblich bedingten Haarausfall sieht nur wenig Belege für PRP. Sie spricht derzeit weder eine Empfehlung dafür noch dagegen aus.
- Eine Auswertung mehrerer Studien von 2024 fand, dass PRP zusammen mit Minoxidil bessere Ergebnisse brachte als Minoxidil allein. Die Qualität der Belege wurde aber als niedrig bis sehr niedrig eingestuft.
- Eine Übersichtsarbeit von 2025 sah in den meisten Studien eine Zunahme von Haardichte und Haardicke. Weil jede Studie PRP anders herstellt und anwendet, sind die Ergebnisse aber schwer vergleichbar.
Zusammengefasst: PRP kann helfen, aber es ist kein gesichertes Verfahren. Wer dir ein garantiertes Ergebnis verspricht, verspricht zu viel.
PRP ersetzt keine belegte Therapie
Für erblich bedingten Haarausfall gibt es Medikamente mit deutlich besserer Studienlage, etwa Minoxidil zum Auftragen. PRP sehen wir als mögliche Ergänzung dazu, nicht als Ersatz. Welche Kombination für dich sinnvoll ist, besprechen wir gemeinsam. Bei Bedarf gehört auch eine dermatologische Abklärung dazu.
Nebenwirkungen
- Druckempfindlichkeit, leichte Schmerzen und Schwellung der Kopfhaut, meist für einen Tag
- leichte Rötung und Juckreiz
- Kopfschmerzen
- kleine blaue Flecken an der Einstichstelle oder in der Armbeuge
- selten vorübergehend verstärkter Haarausfall oder ein anhaltendes Missempfinden der Kopfhaut
- sehr selten Infektionen
Wann PRP nicht geht
- bei Blutgerinnungsstörungen oder sehr niedrigen Blutplättchenwerten
- bei Einnahme gerinnungshemmender Medikamente, die bitte nie eigenmächtig absetzen
- bei akuten Infekten oder Entzündungen der Kopfhaut
- bei Krebserkrankungen
- in Schwangerschaft und Stillzeit, weil dazu keine Daten vorliegen
Was wir vorher klären
Bevor wir eine Behandlung mit Eigenblut planen, wollen wir die Ursache deines Haarausfalls verstehen. Wir fragen nach Verlauf, Familie, Erkrankungen und Medikamenten und besprechen, welche anderen Wege es gibt. Ob PRP auch im Gesicht etwas bringt, steht in Vampirlifting. PRP ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).
Noch gefragt
- Wie viele PRP-Sitzungen braucht man bei Haarausfall?
- Ein einheitliches Schema gibt es nicht. Üblich sind drei bis vier Sitzungen im Abstand von etwa vier bis sechs Wochen und danach Auffrischungen, wenn die Behandlung anspricht.
- Ab wann sieht man Ergebnisse?
- Wenn die Behandlung anspricht, meist nach einigen Monaten. Eine ehrliche Beurteilung ist oft erst nach etwa einem halben Jahr möglich.
- Ist PRP bei Haarausfall wissenschaftlich belegt?
- Nur eingeschränkt. Studien zeigen teilweise eine Zunahme der Haardichte, ihre Qualität ist aber niedrig. Die europäische Leitlinie spricht weder eine Empfehlung dafür noch dagegen aus.
- Hilft PRP auch bei Frauen?
- PRP wird bei erblich bedingtem Haarausfall bei Männern und Frauen eingesetzt. Gerade bei Frauen sollten aber vorher andere Ursachen wie Eisenmangel oder eine Schilddrüsenstörung abgeklärt werden.
- Zahlt die Krankenkasse PRP?
- Nein. PRP ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Die Abrechnung erfolgt privat nach der Gebührenordnung für Ärzte.
Platelet Rich Plasma (PRP) bei uns in Bünde
Ob und wie etwas zu dir passt, lässt sich seriös nur im Gespräch klären. Wir nehmen uns die Zeit dafür. Auch wenn am Ende herauskommt, dass wir dir abraten.
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Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung für dich infrage kommt, hängt von deiner Vorgeschichte, deinen Medikamenten und deinem Befund ab. Das klären wir persönlich. Stand: 2.10.2026
