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Infusionen

Vitamininfusion: Wann ist sie sinnvoll und wann nicht?

Von Dr. med. Bugrahan Bacara · 3 Min. Lesezeit

Wenn im Blut ein Mangel nachgewiesen ist, den Ernährung oder Tabletten nicht ausgleichen, kann eine Infusion sinnvoll sein. Für gesunde Menschen ohne Mangel gibt es keinen belegten Nutzen. Fachgesellschaften und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sehen den Trend zu Vitamininfusionen kritisch. Deshalb steht vor jeder Infusion ein ärztliches Gespräch.

Ein Trend mit großen Versprechen

Drip Bars, Drip Spas, Beauty-Drips: Infusionen mit Vitaminen und Mineralstoffen sind in den letzten Jahren sehr beliebt geworden. Versprochen werden mehr Energie, ein starkes Immunsystem, schöne Haut oder schnelle Erholung nach einer langen Nacht.

Wir bieten Infusionen an. Gerade deshalb wollen wir dir ehrlich sagen, was davon belegt ist und was nicht.

Was Fachleute sagen

  • Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin sieht für gesunde Menschen keinen nachgewiesenen gesundheitlichen Nutzen. Für Menschen mit Vorerkrankungen warnt sie vor Risiken.
  • Stiftung Warentest kam 2024 zu dem Ergebnis: Für Gesunde unnötig, sinnvoll nur bei einem festgestellten Mangel.
  • Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat im Mai 2026 vor sogenannten Drip-Spa- und Longevity-Infusionen gewarnt. Viele dieser Mischungen sind nicht als Arzneimittel zugelassen. Ihre Qualität und Sicherheit sind damit nicht im Sinne des Arzneimittelrechts geprüft.

Kurz gesagt: Wer gesund ist und sich ausgewogen ernährt, bekommt die meisten Vitamine über das Essen. Was der Körper nicht braucht, scheidet er bei wasserlöslichen Vitaminen über die Nieren wieder aus. Fettlösliche Vitamine wie A oder D können sich dagegen anreichern und in hoher Dosis schaden.

Wann eine Infusion sinnvoll sein kann

Es gibt Situationen, in denen eine Infusion medizinisch begründet ist:

  • ein im Blut nachgewiesener Mangel, etwa an Eisen, Vitamin B12 oder Vitamin D, der sich mit Tabletten nicht ausreichend ausgleichen lässt
  • eine gestörte Aufnahme im Darm, etwa bei bestimmten chronischen Darmerkrankungen oder nach bestimmten Operationen
  • bestimmte Erkrankungen, bei denen der Bedarf erhöht ist

Ob das bei dir der Fall ist, ist eine ärztliche Entscheidung. Sie beruht auf deiner Vorgeschichte und in der Regel auf Laborwerten, nicht auf einem Gefühl von Müdigkeit allein.

Müde ohne Grund?

Dauernde Erschöpfung ist ein Signal, das ernst genommen werden sollte. Dahinter können ein Eisenmangel, eine Schilddrüsenstörung, Schlafprobleme, eine Depression oder andere Erkrankungen stecken. Eine Infusion überdeckt das im besten Fall kurz. Die Ursache klärt sie nicht. Sprich in diesem Fall bitte auch mit deiner Hausarztpraxis.

Risiken

Eine Infusion ist ein Eingriff in die Vene. Mögliche Probleme sind:

  • blaue Flecken, Schmerzen oder eine Entzündung an der Einstichstelle
  • Infusion, die neben die Vene läuft
  • allergische Reaktionen, sehr selten bis zum allergischen Schock
  • Kreislaufprobleme, wenn viel Flüssigkeit schnell gegeben wird
  • Überdosierung, vor allem bei fettlöslichen Vitaminen

Für wen eine Infusion nicht infrage kommt

  • bei eingeschränkter Nierenfunktion oder Nierensteinen
  • bei Herzschwäche oder schlecht eingestelltem Bluthochdruck, weil die zusätzliche Flüssigkeit belasten kann
  • bei bekannten Allergien gegen Bestandteile
  • bei hochdosiertem Vitamin C: bei einem bestimmten angeborenen Enzymmangel, dem G6PD-Mangel, und bei Neigung zu Oxalat-Nierensteinen
  • in Schwangerschaft und Stillzeit nur nach strenger ärztlicher Abwägung
  • während einer Krebstherapie nur in Absprache mit den behandelnden Onkologen

Und Vitamin C oder NAD+?

Hochdosiertes Vitamin C erreicht über die Vene deutlich höhere Spiegel im Blut als über Tabletten. Ob das Gesunden einen Vorteil bringt, ist nicht belegt. Die Studien dazu sind meist klein oder stammen aus dem Labor.

NAD+-Infusionen werden als Mittel gegen das Altern beworben. Die Datenlage beim Menschen ist sehr dünn. Eine zugelassene NAD+-Infusion gibt es in Deutschland nicht.

Wie wir damit umgehen

Bei uns steht vor einer Infusion immer ein ärztliches Gespräch. Wir fragen nach deinen Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamenten. Wenn ein Mangel vermutet wird, lässt er sich über eine Blutuntersuchung klären. Und wenn wir keinen Grund für eine Infusion sehen, sagen wir dir das. Auch dann, wenn du eigentlich mit einem anderen Wunsch gekommen bist.

Was wir vorher klären

Neben deiner Vorgeschichte besprechen wir, was in der Infusion enthalten ist, warum, und welche Risiken es gibt. Eine Vitamininfusion ohne medizinischen Grund ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Wenn du erst einmal nur reden möchtest, kannst du ein Beratungsgespräch buchen.

Noch gefragt

Für wen ist eine Vitamininfusion sinnvoll?
Für Menschen mit einem nachgewiesenen Mangel, der sich über Ernährung oder Tabletten nicht ausreichend ausgleichen lässt, etwa bei einer gestörten Aufnahme im Darm. Für Gesunde ohne Mangel ist kein Nutzen belegt.
Welche Nebenwirkungen kann eine Vitamininfusion haben?
Blaue Flecken oder Entzündungen an der Einstichstelle, Kreislaufprobleme, selten allergische Reaktionen und bei manchen Vitaminen eine Überdosierung. Bei Nieren- oder Herzerkrankungen sind die Risiken höher.
Wie oft kann man eine Vitamininfusion machen?
Das hängt davon ab, warum sie gegeben wird. Bei einem Mangel richtet sich die Häufigkeit nach den Laborwerten. Regelmäßige Infusionen ohne medizinischen Grund empfehlen wir nicht.
Ist eine Vitamin-C-Infusion besser als Tabletten?
Über die Vene lassen sich höhere Spiegel im Blut erreichen. Ob das Gesunden einen Vorteil bringt, ist nicht belegt. Für den normalen Bedarf reicht die Ernährung.
Zahlt die Krankenkasse eine Vitamininfusion?
Ohne medizinischen Grund nicht. Dann zahlst du die Infusion selbst. Abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Ärzte.

Drip Spas bei uns in Bünde

Ob und wie etwas zu dir passt, lässt sich seriös nur im Gespräch klären. Wir nehmen uns die Zeit dafür. Auch wenn am Ende herauskommt, dass wir dir abraten.

Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung für dich infrage kommt, hängt von deiner Vorgeschichte, deinen Medikamenten und deinem Befund ab. Das klären wir persönlich. Stand: 2.10.2026